Gruppe B17
Keine Rosinen für Deutschland


Keine Rosinen für Deutschland

Thank you for Liberation

Der schwere Bomber, Boing B-17 wurde erstmals am 17. August 1942 über deutschem Gebiet eingesetzt. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges war die Flying Fortress maßgeblich am militärischen Sieg der Alliierten beteiligt. Die damit verbundene Beendigung der deutschen Barbarei des Nationalsozialismus ist für uns Grund genug dieses amerikanische Kriegsgerät durch unseren Gruppennamen zu heroisieren. Wir möchten uns dabei auch klar gegen Antiamerikanismus zur Wehr setzten und erinnern deshalb daran, dass der deutsche Zivilisationsbruch ohne amerikanische Hilfe möglicherweise nicht hätte gestoppt werden können.

Keine Rosinen für Deutschland

Ob „Einig, Recht und Frei“ oder „Auferstanden aus Ruinen“, jedem Umgang mit den Verbrechen des Nationalsozialismus von Deutschen Staaten war und ist zu misstrauen. Die vorherrschende Legende der Stunde Null zur Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg, so wie die Relativierung und Leugnung der deutschen Verbrechen des Nationalsozialismus, ist bereits mehr als Grund genug für Vorbehalte und Argumente gegen Deutschland. Dabei muss angemerkt werden, dass die Neugründung der BRD keine deutsche Eigenleistung war, sondern dieser Fortschritt gegenüber dem Nationalsozialismus den westlichen Besatzungsmächten gut zusprechen ist. Ende der Neunziger wurden „die Lehren aus Auschwitz“ zum integralen Bestandteil der deutschen Ideologie. Der damalige und immer noch andauernde Zeitgeist vermittelt ein Bild vom „Lernen aus der Geschichte” und vermeintlichen Kappung von Strängen zum „alten Deutschland”. Dies bildete die Grundlage eines neuen, geläuterten Deutschlands. Als Speerspitze und Tabubrecher des geläuterten Deutschlands argumentierte die damalige rot-grüne Bundesregierung aus ihrer Sicht also folgerichtig, dass „Nicht trotz, sondern gerade wegen Auschwitz“ Kriege mit deutscher Beteiligung geführt werden müssten. „Deutschland denken heißt Auschwitz denken“ führt seither nicht mehr zur Negation des deutschen Nationalismus, sondern, im Gegenteil, ermöglicht eine positive Bezugnahme zur deutschen Nation, womit Deutschland eine weltweite Vorreiterrolle in Geschichtsaufarbeitung einnehmen kann. Die Perversion dieser dialektischen Meisterleistung führt für uns zur einzig möglichen Konsequenz: Die Ablehnung der deutschen Identität, der deutschen Nation und der deutschen Ideologie, so entschlossen, wie es möglich ist.

Von Hedonismus und Politik

Kommunismus, ein Wort, dass wir an dieser Stelle nicht weiter füllen, bleibt unser Hauptziel. Schon auf Grund der gesamtgesellschaftlichen Marginalität dieses Anliegens und der scheinbaren Irrelevanz der linksradikalen Strömungen und Bewegungen im gesellschaftlichem Kontext, halten wir eine ausformulierte Kritik an herrschenden Verhältnissen, sowie sich als emanzipatorisch verstehende Ideen für wichtiger als die Ausformulierung einer positiven Utopie oder gar den Versuch von deren Umsetzung. Dessen ungeachtet finden wir Versuche eine politische Praxis durch die Umsetzung emanzipatorischer Ideen, gerade dann, wenn es sich um ein progressives Teilziel, das sich an den Maßstäben einer kommunistischen Gesellschaft orientiert, begrüßenswert und kritikwürdig. Diese kommunistischen Ziele sollten in erster Linie bedürfnisbefriedigend orientiert und vernünftig organisiert sein.

Hierbei kommt es zwangsläufig zu Konflikten, gerade wenn davon ausgegangen wird, dass es „kein richtiges Leben im falschen“ gibt und Kommunismus in absehbarer Zeit keine gesellschaftliche Perspektive ist. Diese Konflikte können Teile von Herrschafts-, Unterdrückungs- und Ausbeutungsmechanismen sein. Eine Lösung für dieses Problem bieten wir nicht. Viele in der Linken Szene praktizierte Pauschallösungen halten wir jedoch für lusteinschränkend und anti-emanzipatorisch. Diesem Praxisproblem sollte mit kritischen, vernünftigen Argumentationen begegnet werden. Letztlich ist Emanzipation keine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht für sich selbst als linksradikal verstehende Zusammenhänge.

Die Zweiäugigen unter den Blinden1

Die revolutionäre Praxis, derer wir uns bemächtigen ist die Erarbeitung und Vermittlung verschiedener kritischer Theorieansätze, offen für interessierte, emanzipatorische Kräfte. Die Mittel derer wir uns bedienen reichen von subversiven Aktionen bis theoretischen Zirkeln. Wir wollen die oft zerstörerische Waffe der Kritik nutzen, solidarisch und aggressiv, um Erkenntnisse und politische Ziele voran zu bringen.

Antifa, APO, Antisemitismus

Kommunismus mag ein Fernziel sein, das umso ferner scheint, je näher sich die gesellschaftlichen Verhältnisse vergegenwärtigt werden. Realpolitik ist trotzdem keine Perspektive für gesellschaftskritische Ideen. Dennoch kann Realpolitik vertretbare Forderungen enthalten, gerade dann, wenn die Aufrechterhaltung des Status Quo von einer erheblich reaktionären Verschlechterung bedroht ist. Adornos ersten Kategorischen Imperativ, bei dem als Konsequenz aus dem deutschen Zivilisationsbruch die Verhinderung eines erneuten Rückfalls in die Barbarei immer höher wiegt als das Streben nach einer ungreifbaren Gesellschaftsutopie ist eine unserer Basispositionen. Als Konsequenz sind wir solidarisch mit dem Staat Israel, der Juden und Jüdinnen einen Schutzraum bietet und werden gegen antisemitische Tendenzen entschieden vorgehen. Nicht erst seit der Shoa sind Juden Anfeindungen durch Antisemitismus und Progomen ausgesetzt. Seit der Diaspora entwickelte sich in Europa erst ein christlicher Antijudaismus und später, ein moderner Antisemitismus, der auch heute noch durch Kapitalismus gefördert wird. Angesichts der permanenten Bedrohung der Juden, so wie der Staat Israel ausgesetzt sind, darf Solidarität nicht nur ein Lippenbekenntnis sein!

Die Bekämpfung von Nazismus und Islamismus, also der ausgeprägtesten Formen von reaktionären, Ideologien, halten wir gerade in Anbetracht deutscher Geschichte für einen existentiellen Minimalkonsens. Wir erkennen hierin jedoch weder die Speerspitzte einer linken Bewegung, noch die daraus folgende Perspektive zur Überwindung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Die Erkenntnis der Marginalität linksradikaler Ideen innerhalb des gesamtgesellschaftlichen Kontext soll nicht als Sprachrohr für Berufspessimisten dienen, sondern die Suche nach möglichen Perspektiven unterstützen. Wir verorten uns innerhalb der linksradikalen Szene, ohne Teil einer linken Bewegung zu sein.

Solidarität mit Israel! Für den Kommunismus!

Gruppe B-17 - Selbstverständnis 2010


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Es heißt: „Unter den Blinden ist der Einäugige (sehende) König!“. Durch fehlende Perspektiven ist der Einäugige jedoch unter den wahrnehmungsdefizitären Personen zur Mittelmäßigkeit verdammt.  Der zweiäugig Sehende kann dem Einäugigen jedoch überlegen sein, wenn er seine Möglichkeiten der Wahrnehmung und Perspektiven nutzt. Unser Ziel ist es interessierten Menschen (hier: Zweiäugigsehende) eine Möglichkeit zu bieten sich kritisch zu informieren.



Royal Air Force over Hannover, 8.10.1943