Gruppe B17
"Von der Erfindung der Idee der Nation zur „Volksgemeinschaft“. Zur historischen Entwicklung des deutschen Nationalismus"

9.Oktober, Do - 20Uhr
Anfang des 20. Jahrhunderts stellte der deutsche Historiker Friedrich Meinecke das Entwicklungsmodell der „Kulturnationen“, in dem die kulturelle Nationsbildung der Entstehung eines Nationalstaates vorausging, jenem der „Staatsnation“ gegenüber, in welchem sich ein vorhandener Territorialstaat lediglich die nationalistische Ideologie zueigen machte. Meineckes Begriffspaar ist bis heute populär, obwohl es in hohem Maße ideologisch befrachtet ist und hinter ihm die nationalistische Idee einer Überlegenheit deutscher „Kultur“ über westliche „Zivilisation“ steht.

Auch wenn die Ausrichter der unter dem Motto „Kulturnation Deutschland“ stehenden Feierlichkeiten zum diesjährigen Tag der deutschen Einheit die Implikation ihres Veranstaltungstitels sicherlich empört von sich weisen würden, verweisen sie dennoch auf einen Kern des deutschen Nationalismus: Nicht der politische Wille der/des Einzelnen zur Gemeinschaft zu gehören, sondern vermeintlich „objektive“ Kriterien (Sprache, Kultur, Blut, etc.) bestimmen die Nationszugehörigkeit und den nationalen Zusammenhalt.

Ausgehend von einer Einführung in zentrale Begriffsbestimmungen und Theorieansätze der jüngeren Nationalismusforschung soll der Vortrag die historische Entwicklung des Nationalismus in Deutschland veranschaulichen. Der hierbei gespannte Bogen reicht von der intellektuellen Begründung der Idee der Nation im späten 18 Jahrhundert über ihre Popularisierung durch die nationalistischen Bewegungen im 19. Jahrhundert bis zur Durchsetzung der Nation als Höchst- und Letztwert in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Anschließend soll die Frage der Bedeutung der Idee Nation für den Aufstieg des Nationalsozialismus und die Wirkungsmächtigkeit der „Volksgemeinschaft“ diskutiert werden. Der Vortrag schließt mit einer knappen Skizze der Wandlungen des deutschen Nationalismus seit 1945.

Henning Borggräfe ist Historiker und promoviert an der Ruhr-Universität Bochum

Die Veranstaltung findet im Raum C2 bei Arbeit und Leben, Lange Geismarstraße 72 statt.

Unterstützt von Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Nds. Süd gGmbH