Gruppe B17
8. März 2010 - Iransolidarität in Göttingen

Stellungnahme zum Göttinger Iransoli-Aktionstag


Göttingen, die Hauptstadt des linken Provinzavantgardismus, am 8.März 2010. Ein gutes Zeichen, möchte man meinen, wenn an diesem Tag, dem internationalen Frauenkampftag, Menschen sich zusammenfinden, um den unterdrückten Frauen im Iran ihre Solidarität auszudrücken. Denn es rumorte und rumort kräftig im Iran, und all jene, die schon genug unter der repressiven Herrschaft des islamischen Regimes leiden, finden sich in einer unterstützenswerten Oppositionbewegung zusammen. Es erschien, als habe die Kreativabteilung des örtlichen UmsGanze-Ablegers, also der Gruppen redical[m] und Gegenstrom, gute Arbeit geleistet. Doch schon beim ersten Blick auf das Transparent ließ sich feststellen, dass dieser Schein trügerisch war.

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Keine Rosinen für Deutschland

Thank you for Liberation

Der schwere Bomber, Boing B-17 wurde erstmals am 17. August 1942 über deutschem Gebiet eingesetzt. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges war die Flying Fortress maßgeblich am militärischen Sieg der Alliierten beteiligt. Die damit verbundene Beendigung der deutschen Barbarei des Nationalsozialismus ist für uns Grund genug dieses amerikanische Kriegsgerät durch unseren Gruppennamen zu heroisieren. Wir möchten uns dabei auch klar gegen Antiamerikanismus zur Wehr setzten und erinnern deshalb daran, dass der deutsche Zivilisationsbruch ohne amerikanische Hilfe möglicherweise nicht hätte gestoppt werden können.

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Kundgebung am 17.Januar - "Solidarität mit Israel"

Israel führt Krieg, wieder einmal. Nachdem es 2006 darum ging, die Hisbollah im Libanon daran zu hindern, den Norden Israels mit Raketen zu beschießen, geht es diesmal gegen die Hamas, die vom Gaza-Streifen aus den Süden des Landes angreift. Der Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen begann im Jahr 2000; seit dem Abzug der israelischen Armee im Jahr 2005 ist er sprunghaft angestiegen – inzwischen sind es über 5000 Raketen und über 1000 Mörsergranaten, die von Gaza aus auf Israel abgeschossen wurden. Die Zahl der Opfer auf israelischer Seite ist zwar bislang gering, dies ist aber zum einen einer gehörigen Portion Glück zu verdanken und der Tatsache, dass sich die betroffene Bevölkerung bei Beschuss in Schutzräume zurückzieht. Zum anderen liegt es daran, dass die Hamas bislang nur über ungenaue Waffensysteme verfügte, was sich derzeit jedoch – vor allem dank iranischer Hilfe – zu ändern beginnt.

Israel versucht mit diesem Krieg zum einen, die militärische Infrastruktur der Hamas zu zerstören, zum anderen aber auch, die Islamisten-Organisation selbst zu schwächen. Die Hamas ihrerseits setzt die Bevölkerung des Gaza-Streifens als lebende Schutzschilde ein und nimmt dabei billigend jene zivilen Opfer in Kauf, deren Tod sie dann als Waffe im Propagandakrieg gegen Israel in Anschlag bringt. Friedensfreunde aus aller Welt gehen dieser Masche auf den Leim und klagen Israel als den Aggressor an, während die Hamas als gutwilliger Verhandlungspartner erscheint, dem letztlich nichts anderes übriggeblieben sei, als den Waffenstillstand des vergangenen Herbstes aufzukündigen.

Es gehört schon einiges an Verblendung dazu, den derzeitigen Krieg auf diese Weise zu betrachten – schließlich gibt sich die Hamas nicht einmal besonders Mühe, ihre wahren Ziele zu verschleiern, und ruft die Muslime der Welt in ihrer Charta ungeniert zum Judenmord auf. Das Ziel der Hamas ist nicht der „Frieden mit Israel im Rahmen einer gerechten Zwei-Staaten-Lösung“, wie das gerade deutsche Kommentatoren immer wieder glauben und glauben machen wollen – es ist schlicht die Vernichtung des Judenstaates. Allein dies macht deutlich, warum Israel die Hamas als Machtfaktor bei Strafe des eigenen Untergangs nicht dulden darf. Frieden für Israelis und Palästinenser kann es deshalb erst geben, wenn die Hamas geschlagen ist. Das wird zwar nicht durch diesen Krieg zu erreichen sein, aber auch nicht ohne ihn.

Kundgebung am 17. 1., 12 h, Gänseliesel

Solidarität mit Israel!
Kein Friede dem antisemitischen Vernichtungswillen!

Hinweiß: Mitglieder und Anhänger rechter Parteien und Organisationen wie NPD, DVU, Rep, Pro-NRW, PI-News und der «Freien Kameradschaften» haben keinen Zutritt zu der Veranstaltung (nach § 6, VersG).


aktuelle Texte:

• Stephan Grigat "Israel als Jude unter den Staaten":

• Café Critique "Das Leid in Gaza und der Ruf nach Frieden":

• Lizas Welt "Der „friedliche“ Judenhass":

• Chronologische Zusammenstellung des BAK Shalom"Alles nur Israelkritik…?!":

• Stellungnahme des BAK Shalom:

 

Kundgebungs-Review "Kein Friede dem linken Antisemitismus"

Am 31. Oktober fand erfolgreich die Kundgebung "Kein Friede dem linken Antisemitismus", zu welcher von der Gruppe B17 und dem [a:ka] Göttingen aufgerufen worden war, statt. Mit 30 TeilnehmerInnen und ungefähr 20 weiteren Schaulustigen sind unsere Erwartungen an eine Mobilisierung zu diesem Thema eingetreten.

Die um 19 Uhr beginnende Kundgebung auf dem Platz der Synagoge richtete sich gegen die Veranstaltung der Gruppe Antifaschistische Linke International >A.L.I.< mit dem Titel Ladenschluss. Zu dieser waren von der >A.L.I.< die antisemitischen Schläger der Gruppen AAMD (Autonome Antifa Magdeburg), GIS (Gruppe Internationale Solidarität) und Frauengruppe Magdeburg eingeladen worden, welche inzwischen unter dem Namen zusammen kämpfen fusioniert sind. Die wenigen Besucher der Veranstaltung im DGB Haus wurden von der Kundgebung empfangen und an Interessierte der Flyer "Keine Zusammenarbeit mit antisemitischen Linken" (siehe unten) verteilt. Des weiteren wurden der Flyer vor Ort sowie eine Erklärung der Genossen vom A.I.P. (Antifa-Infoportal Magdeburg) aus Magdeburg verlesen.

Die >A.L.I.< spielte die Kundgebung auf einen vermeintlich unpolitischen, persönlichen Konflikt herunter. Das antisemitische Weltbild der eingeladen Magdeburger Gruppen wurde ignoriert und durch das Durchführen der Veranstaltung wurde dieser ein Raum zum Diskutieren geboten, als handele es sich hierbei nicht um eine hinlänglich bekannte antisemitische Schlägertruppe mit der sich jegliche Zusammenarbeit verwirkt hat.
Das Abfotografieren von Kundgebungsteilnehmern seitens der >A.L.I.<, der körperliche Angriff auf einen vermeintlichen Kundgebungsteilnehmer am nächsten Tag durch ein Mitglied der >A.L.I.<, so wie das Ignorieren der Vorwürfe von Seiten der >A.L.I.< ist für uns kein hinnehmbares Verhalten für Menschen, die sich innerhalb der linken Szene bewegen.

Für uns stellt die durchgeführte Kundgebung in der Hinsicht ein Erfolg dar, dass die Zusammenarbeit mit linken Antisemiten durch die >A.L.I.< nicht unbeachtet blieb. Die direkte Konfrontation dieser mit ihrer Kollaboration mit Antisemiten scheint uns notwendig, da so deutlich wird, dass dies nicht unbemerkt und unkritisiert bleibt und bleiben wird. Erfreulich ist, dass immerhin den Magdeburger Antisemiten und ihren Unterstützern kein großes Publikum zur Verfügung stand. Unverständlich bleibt jedoch für uns, dass der Großteil der Göttinger Linken zu der Veranstaltung bis heute Stillschweigen bewahrt und auch keine von den unterstützenden Gruppen sich bisher von der >A.L.I.< distanziert hat. Es sollte sich für eine emanzipativ verstehende Linke eine Zusammenarbeit mit antisemitischen Linken und ihren Untersützern verbieten. Außerdem sollten auch sogenannte linke (Frei-)Räume gegen Antisemiten und Schläger restriktiv vorgehen und diesen endlich keine Räume mehr bieten. Die Tendenzen dazu die Kundgebung auf eine unpolitischen Konflikt, eine Auseinandersetzung zwischen "Antideutschen und Antiimperialisten" oder auf eine vermeintliche Profilierung zu reduzieren spiegelt für uns die Ignoranz des Großteils der Göttinger Linken gegenüber Antisemitismus in den eigenen Reihen wieder. Außerdem offenbart sich die Abneigung davor deutliche Konsequenzen zu ziehen.

Kein Friede dem linken Antisemitismus!
Solidarität mit den von antisemitischer Gewalt Betroffenen!


Keine Zusammenarbeit mit antisemitischen Linken

Zum 31.Oktober hat die Gruppe "Antifaschistische Linke International >A.L.I.<" das Bündnis "zusammen kämpfen" aus Magdeburg nach Göttingen eingeladen. Die Diskussionsveranstaltung "Ladenschluss" soll im Rahmen der "Antifaschistisches Wochenende 2008 - Für eine starke antifaschistische Kultur – Gegen rechte Zentren und Naziläden vorgehen!" stattfinden. Im Folgenden wollen wir darstellen wieso sich eine Zusammenarbeit mit Bündnissen wie "zusammen kämpfen" für eine antifaschistisch und emazipativ verstehenden Linke verbieten sollte.

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• Flyer als PDF:

• Antifa-Infoportal Magdeburg "... Täter sind keine Opfer":

 

Review: Veranstaltungsreihe

Henning Borggräfe
"Von der Erfindung der Idee der Nation zur "Volksgemeinschaft" - Zur historischen Entwicklung des deutschen Nationalismus"

Anfang des 20. Jahrhunderts stellte der deutsche Historiker Friedrich Meinecke das Entwicklungsmodell der "Kulturnationen", in dem die kulturelle Nationsbildung der Entstehung eines Nationalstaates vorausging, jenem der "Staatsnation" gegenüber, in welchem sich ein vorhandener Territorialstaat lediglich die nationalistische Ideologie zueigen machte. Meineckes Begriffspaar ist bis heute populär, obwohl es in hohem Maße ideologisch befrachtet ist und hinter ihm die nationalistische Idee einer Überlegenheit deutscher "Kultur" über westliche "Zivilisation" steht.

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JustIn Monday
"Arbeitswahn, Krise und Wirtschaftspolitik - Zum verkehrten Zusammenhang von Politischer Ökonomie und deutschen Zuständen"

Unter gesellschaftstheoretischen und ökonomischen Gesichtspunkten gilt der Nationalsozialismus üblicherweise als absoluter Ausnahmezustand. Die konservativ-bürgerliche Öffentlichkeit derjenigen, die von allem nichts gewusst hatten, weigerte sich ohnehin, einen Zusammenhang zwischen ihrer Gesellschaftsform und der antisemitisch, rassistischen Raserei herzustellen. Die Linke hingegen wusste sich jahrzehntelang einzureden, dass in den frühen Jahren der Bundesrepublik mit den Mitteln des Marshallplans, also mit ausländischem Willen und gegen den der Bevölkerung, eine Politik zur Restauration des Kapitalismus betrieben worden sei.

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• Mitschnitt der Veranstaltung

• JustIn Monday "Die »höhere Weisheit« des autoritären Staates - Wie neoliberal war der Neoliberalismus?"

• JustIn Monday "Coffee to go oder: Wofür steht der 3. Oktober?"

Olaf Kistenmacher
"Staatsbürger ohne Uniform - Zum Berufsbild des Gedenksoldaten"

Gedenkstätten wurden von staatlicher Seite lange als feindlich wahrgenommen und mussten, wie die Gedenkstätte Neuengamme gegen den Widerstand der Stadt Hamburg, erkämpft werden. Es war also nicht immer schon normal, dass Bürger und Bürgerinnen mit und ohne Uniform gemeinsam aus den deutschen Verbrechen lernen wollten für aktuelle und kommende Kriege. Inzwischen ist die KZ-Gedenkstätte Neuengamme in der Mitte der Gesellschaft angekommen seit 2008 soll ein Bundeswehrsoldat dort als Gedenkstättenpädagoge arbeiten.

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• Olaf Kistenmacher "Der ‘neue Antisemitismus’ ist nicht neu!"

• Olaf Kistenmacher "‘Antizionismus’ in der KPD der Weimarer Republik"

Sonja Witte
"Nationales Vergangenheitsrecycling - Die postnazistische Allianz der Generationen im deutschen Kollektiv"

‘Aufarbeitung deutscher Geschichte verbindet sich als moralischer Bezugspunkt nationaler Ideologie mit der Idee einer Versöhnung der Generationen. Die Referenz auf die deutschen Verbrechen, auf Auschwitz, ist dabei zentral. Neben die fortwährende Stilisierung der Deutschen als Opfer tritt momentan die Integration von Auschwitz in die medialen (Re-)Inszenierungen der deutschen Erinnerungsarbeit als gesellschaftlichem ‘Kitt’, in der die Nation zum kollektiven Objekt der Identifizierung wird. Die neue Unbefangenheit im Umgang mit der Geschichte, in der Auseinandersetzung mit den Erfahrungen der eigenen Großeltern, der Wunsch, bei der Weltmeisterschaft auch einmal unbeschwert "schwarz-rot-geil" zu sein, macht die dritte TäterInnengeneration zum Protagonisten des postnazistischen Nationalgefühls.

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• Mitschnitt der Veranstaltung

• Vortrag von Sonja Witte "Am ‘Punkt, wo die Psychoanalyse abdankt’: Freuds Rätsel der Massenbildung"

• Disskusion zur Veranstaltung

  (Dieser Vortrag wurde von Sonja Witte auf dem Kittkritik-Kongress in Bremen im Mai 2008 gehalten.)

"Vom Antifa-Sommer zum Irak-Krieg - Die Transformation des deutschen Nationalismus"
Diskussionsveranstaltung mit Lars Quadfasel (Hamburger Studienbibliothek) und einem Referenten des [a:ka] Göttingen

Der Antritt der rot-grünen Regierung markiert einen Wendepunkt im deutschen Nationalverständnis. Die Übernahme der "deutschen Verantwortung" für die Vergangenheit und Verbrechen wurden mit dem Antritt der ehemaligen 68er-Rebellen zur Staatsräson und das "Lernen aus der Geschichte" Bezugspunkt die Legitimität deutscher Politik. Spätestens der Irak-Krieg verdeutlichte die Wende, welche sich vollzogen hatte.

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• Mitschnitt der Veranstaltung

• Lars Quadfasel "Fun, auf Deutsch, heißt Stahlbad"